Wohnungsbesichtigung vorbereiten: Checkliste, wichtige Fragen und Unterlagen für den Vermieter
Wohnungsbesichtigung vorbereiten: Worauf man achtet, welche Fragen gestellt werden sollten und wie man einen guten Eindruck hinterlässt.
Veröffentlicht: | Redaktion WBS-Wohnung
Die Wohnungsbesichtigung: Mehr als nur anschauen
Die Wohnungsbesichtigung ist der wichtigste Schritt im Mietprozess — für beide Seiten. Mieter prüfen, ob die Wohnung ihren Anforderungen entspricht. Vermieter beurteilen die potenzielle Mieterpartei. Wer gut vorbereitet zur Besichtigung erscheint, hat gegenüber unvorbereiteten Mitbewerbern einen deutlichen Vorteil.
Checkliste: Was bei der Besichtigung zu prüfen ist
Bausubstanz und Zustand
- Feuchtigkeitsflecken oder Schimmelspuren an Wänden, Decken, hinter Möbeln
- Zustand der Fenster (Isolierglasfenster, Dichtungen, Kondensation zwischen Scheiben)
- Zustand der Böden (Kratzer, lockere Dielen, durchgetretener Teppich)
- Türen und Schließmechanismen
- Schimmel im Bad und unter der Küchenspüle
Technik und Infrastruktur
- Heizungsanlage: Typ (Gas/Fernwärme/Öl), Baujahr, Energieeffizienzklasse
- Wasserdruck: alle Hähne und Dusche aufdrehen
- Steckdosen: ausreichend pro Raum, Sicherungskasten modern
- Internetanschluss: Glasfaser, DSL, Kabelanschluss verfügbar?
- Briefkasten und Gegensprechanlage
Wohnumfeld und Lärm
- Straßenlärm: Fenster kurz öffnen und zuhören
- Lärm aus Nachbarwohnungen und Gemeinschaftsflächen
- Nähe zu Gaststätten, Clubs, Straßenbahn
- Tageslicht: Ausrichtung der Fenster (Süd/West bevorzugt)
Die richtigen Fragen stellen
Neben dem Augenschein sind gezielte Fragen entscheidend. Fragen, die selten gestellt werden, aber wichtig sind:
- Wie hoch war die Heizkostennachzahlung im letzten Jahr? (Heizkosten können die Warmmiete erheblich erhöhen)
- Gibt es offene Konflikte mit Nachbarn oder Hausverwaltung?
- Welche Auflagen gibt es für Haustiere, WG-Untermiete oder Musikinstrumente?
- Wie läuft die Müllentsorgung? Gibt es Sperrmülltermine?
- Ist der Keller trocken und abschließbar?
Vollständige Unterlagen: Sofort abgeben
Bei Einzel- oder Gruppenbesichtigungen mit mehreren Bewerbern gilt: Wer sofort vollständige Unterlagen hinterlässt, hat einen Vorteil. Empfohlen: eine vorbereitete PDF-Bewerbungsmappe auf dem Handy, die direkt als Dokument gesendet oder ausgedruckt mitgebracht werden kann. Ausführlicher Ratgeber: Wohnungsbewerbung.
Nach der Besichtigung: Richtig nachfassen
Wer nach der Besichtigung nicht von sich hört, gerät schnell in Vergessenheit. Ein kurzes, sachliches Nachfass-E-Mail innerhalb von 24 Stunden hält die eigene Bewerbung präsent. Inhalt: Dank für die Möglichkeit, Interesse bekräftigen, ggf. offene Fragen stellen. Kein Druck ausüben — ein professioneller Ton ist entscheidend.
Falls kein Feedback nach 5–7 Tagen kommt, ist eine einmalige telefonische Nachfrage vertretbar. Wer dabei nachweislich zuverlässige Unterlagen eingereicht hat, kann behutsam an seine Bewerbung erinnern. Mehrfaches Nachhaken wird dagegen als aufdringlich empfunden und schadet mehr als es nützt.
Wohnungsbesichtigung und Sozialwohnung
Bei Sozialwohnungen läuft die Besichtigung oft anders: Kommunale Gesellschaften bieten häufig Gruppenbesichtigungen an, bei denen mehrere Interessenten gleichzeitig die Wohnung sehen. Die Entscheidung fällt hier meist nicht auf Basis des persönlichen Eindrucks allein, sondern nach Dringlichkeit (Wartezeit auf der Liste) und Erfüllung der Einkommensgrenzen. Der gültige WBS muss dabei vorgelegt werden können — ohne ihn ist eine Anmietung nicht möglich. Mehr zum WBS-Verfahren: WBS-Ratgeber.
Vollständige Besichtigungs-Checkliste: Raum für Raum
Eine Besichtigung dauert oft nur 20 bis 30 Minuten — zu wenig Zeit, um spontan alles zu erfassen. Wer mit einer strukturierten Raumcheckliste erscheint, bewertet systematisch und übersieht keine versteckten Mängel. Die folgende Tabelle gibt für jeden Bereich an, was zu prüfen ist und welche Signale Vorsicht anraten.
| Bereich | Was prüfen? | Warnsignal |
|---|---|---|
| Eingang / Flur | Briefkasten, Türschloss, Klingelanlage, Flurbeleuchtung | Schäden an Türen, fehlende oder defekte Beschriftung |
| Wohnzimmer | Böden, Wände, Heizkörper, Steckdosen, Fensterdichtungen | Schimmelflecken (v.a. in Ecken), defekte oder kalte Heizkörper |
| Küche | Herd-/Küchenanschlüsse, Abfluss, Fenster, Unterspüle | Schimmel unter der Spüle, schlechter Abfluss, fehlende Abluft |
| Bad / WC | Abdichtungen rund um Wanne/Dusche, Abfluss, Lüftung | Schwarze Fugen, Schimmel, kein Fenster und keine Lüftung |
| Schlafzimmer | Böden, Wände, Fensterausrichtung, Ecken auf Feuchte | Feuchtigkeit in Wandecken, kalte Außenwände (Fingertest) |
| Keller / Abstellraum | Trockenheit, Schimmel, abschließbar, Raumhöhe | Feuchte Wände, muffiger Geruch, nicht abschließbar |
| Gemeinschaftsflächen | Treppenhaus, Waschkeller, Fahrradraum, Außenbereiche | Schäden ohne erkennbare Instandsetzung, Vermüllung |
Die wichtigsten Fragen an den Vermieter
Neben dem Augenschein sind gezielte Fragen entscheidend. Fragen, die selten gestellt werden, aber wichtig sind:
- Wie hoch war die letzte Betriebskostennachzahlung? Am besten die tatsächliche Abrechnung zeigen lassen — regelmäßige Untervorauszahlung bedeutet Nachzahlung im Folgejahr.
- Wie alt ist die Heizungsanlage? Älter als 15 Jahre kann auf hohe Heizkosten und baldigen Austausch hindeuten.
- Gibt es bekannte Mängel oder laufende Reparaturen? Der Vermieter ist zur Auskunft verpflichtet; verschwiegene Mängel begründen später Minderungsansprüche.
- Wann wurde die Wohnung zuletzt renoviert? Alte Elektrik, Leitungen und Bodenbeläge können die Einzugskosten erhöhen.
- Welche Hausordnungsregeln gibt es? Ruhezeiten, Tierhaltung, Musik, WG-Untermiete.
- Wer ist Ansprechpartner für Reparaturen? Direkter Vermieter oder Hausverwaltung — Reaktionszeit bei Störungen variiert stark.
- Sind Sanierungen oder Modernisierungen geplant? Modernisierungsmaßnahmen können zu Mieterhöhungen von bis zu 8 % der Modernisierungskosten pro Jahr führen (§ 559 BGB).
Das Übergabeprotokoll: Warum es so wichtig ist
Beim Besichtigungstermin können Sie bereits fragen, ob das Übergabeprotokoll des Vorvorgängers einsehbar ist. Wichtiger noch: Beim eigenen Einzug muss zwingend ein detailliertes Einzugsprotokoll erstellt werden.
Ein vollständiges Einzugsprotokoll dokumentiert:
- Alle Räume mit vorhandenen Mängeln, beschädigt en Oberflächen oder Defekten — schriftlich und mit Fotos
- Alle Zählerstände am Übergabetag: Strom, Gas, Wasser (warm und kalt)
- Anzahl und Zustand übergebener Schlüssel
- Mitgelieferte Einbaugeräte und deren Zustand
Das Protokoll wird von beiden Parteien unterschrieben. Ohne Protokoll gilt bei Auszug die gesetzliche Vermutung, dass alle beim Auszug festgestellten Schäden vom Mieter verursacht wurden — das kann teuer werden. Mehr zu Mieterrechten: Mietrecht-Ratgeber.
Nebenkosten richtig berechnen: Die wahre Warmmiete
Ein häufiger Fehler: Bewerber orientieren sich ausschließlich an der Kaltmiete. Die tatsächliche monatliche Belastung ist in vielen Fällen deutlich höher. Die folgende Beispielrechnung zeigt, woraus sich die Warmmiete zusammensetzt:
| Kostenblock | Beispielbetrag | Hinweis |
|---|---|---|
| Kaltmiete | 650 € | Ausgewiesener Mietpreis im Inserat |
| Betriebskostenvorauszahlung | 120 € | Wasser, Müll, Hausmeister, Versicherung, Aufzug etc. |
| Heizkosten | 80 € | Stark abhängig von Baujahr und Energiestandard |
| Warmmiete gesamt | 850 € | Tatsächliche monatliche Belastung |
Fordern Sie unbedingt die letzte Betriebskostenabrechnung an. Wenn der Vermieter die Vorauszahlungen regelmäßig zu niedrig ansetzt, folgt im Herbst eine hohe Nachzahlung. Bei Bürgergeld-Bezug: Die gesamte Warmmiete muss innerhalb der KdU-Grenzen des Jobcenters liegen. Details: Jobcenter und Wohnung.
Verwandte Ratgeber
- Wohnungsbewerbung: Unterlagen und Anschreiben
- Mietrecht: Rechte und Pflichten als Mieter
- Wohnberechtigungsschein (WBS) beantragen
- Sozialwohnungen finden
- Jobcenter und Wohnung: KdU und Kostenzusicherung
Wohnungsübergabe vorbereiten
Nach einer erfolgreichen Besichtigung und dem unterzeichneten Mietvertrag ist der Übergabetermin der letzte kritische Schritt — und einer, der häufig unterschätzt wird. Ein sorgfältig erstelltes Übergabeprotokoll schützt beide Parteien: den Mieter vor unberechtigten Schadensersatzforderungen beim Auszug, den Vermieter vor nachträglichen Streitigkeiten über den Wohnungszustand.
Folgende Punkte sind beim Übergabetermin zu beachten:
- Übergabe nur durchführen, wenn die Wohnung vollständig geräumt ist — befinden sich noch Gegenstände des Vormieters in der Wohnung, den Termin verschieben.
- Alle Zählerstände gemeinsam ablesen und schriftlich mit Datum festhalten: Strom, Gas, Wasser (kalt und warm), Wärmemengenzähler (falls vorhanden).
- Jeden Raum systematisch begehen: alle vorhandenen Schäden, Verfärbungen und Defekte schriftlich eintragen und fotografisch dokumentieren.
- Jede Tür, jedes Fenster, jedes Heizkörperventil und jede Steckdose auf Funktion prüfen.
- Anzahl und Zustand der übergebenen Schlüssel (Wohnungsschlüssel, Briefkastenschlüssel, Kellerschlüssel) notieren.
- Beide Parteien unterschreiben das Protokoll an Ort und Stelle — ein „Ich schicke es Ihnen dann zu" ist nicht akzeptabel und rechtlich unverbindlich.
Wer eine Wohnung mit Wohnberechtigungsschein (WBS) bezieht, sollte bei der Besichtigung auch prüfen, ob die Wohnung dem für den WBS-Typ angegebenen maximalen Wohnflächenwert entspricht — eine deutlich zu große Wohnung kann die Fördervoraussetzungen verletzen. Bei Bürgergeld-Bezug: Die gesamte Warmmiete der Wohnung muss innerhalb der Angemessenheitsgrenzen des Jobcenters liegen — am besten vor der Besichtigung beim Jobcenter die aktuelle KdU-Grenze erfragen.
Häufige Fragen zur Wohnungsbesichtigung
- Wichtige Fragen bei der Besichtigung: Warum zieht der bisherige Mieter aus? Wie alt ist die Heizung? Gibt es Schimmelprobleme? Wie hoch war die letzte Heizkostenabrechnung? Gibt es Lärmprobleme (Verkehr, Nachbarn)? Wann wurde die Wohnung zuletzt renoviert? Sind Schönheitsreparaturen beim Einzug nötig? Wann ist die Wohnung verfügbar? Wie ist die Parkplatzsituation?
- Checkliste für die Besichtigung: Feuchtigkeitsflecken oder Schimmel an Wänden und Fenstern, Zustand von Böden, Türen und Fenstern, Funktion aller Hähne und Duschen (Wasserdruck), Elektrik (ausreichend Steckdosen, Sicherungskasten modern), Schallschutz (Straßenlärm, Nachbargeräusche testen), Kellerabteil und Dachbodennutzung, Heizungsanlage und Baujahr, Ausrichtung und Tageslicht.
- Es empfiehlt sich, den Vermieter vorher um Erlaubnis zu fragen. Fotos helfen beim späteren Vergleich mehrerer Wohnungen. Auf keinen Fall sollten Fotos gemacht werden, auf denen persönliche Gegenstände oder Räumlichkeiten des aktuellen Mieters zu sehen sind.
- Zur Besichtigung am besten mitbringen: Bewerbungsunterlagen (SCHUFA, Gehaltsnachweis, Personalausweis — zur sofortigen Abgabe), Maßband (für Möbelplanung), Notizbuch oder Smartphone für Fotos und Notizen, ggf. Taschenlampe für Keller oder dunkle Ecken.
- Bei Massenbesichtigungen (10+ Bewerber gleichzeitig) ist es wichtig, freundlich und professionell aufzutreten. Kurze persönliche Vorstellung beim Vermieter, vollständige Unterlagen sofort hinterlassen, keine hektischen Fragen vor anderen Bewerbern. Nachfassen per E-Mail nach der Besichtigung erhöht die Chancen.